Ernst Vollbehr

Ernst Vollbehr (1876-1960) durchlebte mehrere Epochen und dokumentierte auf seinen Reisen in der ganzen Welt Geschehen und Geschichte – als Schriftsteller, Fotograf und vor allem als Maler. Als Sohn eines Kaufmanns wuchs er in Kiel auf und begann seine Malerausbildung in Schwerin, als Dekorationsmaler am Hoftheater. Anschließend studierte er Kunst in Berlin, Dresden, Paris und Rom. Außerdem arbeitet er als Kirchenrestaurator und Angestellter einer Anstreich-Firma. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte er durch Expeditionsreisen die Reisemalerei für sich. Er unternahm zunächst Exkursionen in Albanien, Brasilien, den deutschen Kolonien in Afrika, Griechenland und der Türkei. Durch seine schnelle Produktion an Gemälden, konnte er rasch an Bekanntheit gewinnen. Er erlangte schließlich die Königs-Ludwigs- sowie die Richelieu-Medaille als anerkanntes Zeichen seiner Kunst.

Auf seinen Reisen sammelte er ethnologische Artefakte, welche er den Einwohnern abkaufte und in seiner Heimat in Museen ausstellte. Zusammen mit seinen farbenfrohen Bildern konnte er so ferne Länder den Menschen in Deutschland nahe bringen.

In seinem 39. Lebensjahr brach der erste Weltkrieg aus. Während dieser Zeit war er als Kriegsmaler an der Front. Dabei entstanden mehr als hunderte Gemälde und Zeichnungen von Erd- und Luftpanoramen anstelle von Tropenlandschaften. Nachdem Monarchie und Militär um 1918 einbrach, nahm auch seine Abnehmerzahl ab. Doch trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten nahm er als „nationaler Patriot“ keine Angebote aus der USA an. Schließlich zog es ihn wieder in die Welt, diesmal Südostasien, Mittelasien und USA. Der Kriegs- und Luftmalerei folgte nun die Industriemalerei.

Unter Staatsaufträgen produzierte er Gemälde der Reichsparteitage und Olympiaanlagen in Berlin. Nicht viel später wurde er als Reichsautobahnmaler bekannt. Er genoss große Hochachtung von Adolf Hitler und trat wnig später trotz Aufnahmesperre in die NSDAP ein. Er dokumentiert viele Projekte der Nazis, sodass seine Werke propagandistisch genutzt werden. Seine gesellschaftliche Stellung und stabile finanzielle Lage ermöglichten ihm bei folgenden Reisen ohne Schwierigkeiten auf Übersee zu gelangen. Mitte bis Ende der 1930er Jahre ist er abermals in Afrika unterwegs sowie Australien, Mittel- und Südamerika.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach ist der Maler bereits im Alter sehr fortgeschritten, was ihn allerdings nicht davon abhält das Kriegsgeschehen künstlerisch zu dokumentieren. Polen und Frankreich sowie später Griechenland, Russland und Rumänien und schließlich der kalte Norden sind die Orte seiner Malerei.

Das Ende des Krieges erlebte er in Schleswig-Holstein. Es gelang ihm einen positiven Einfluss auf die britischen Besatzer zu gewinnen und somit sein weiteres erfolgreiches Malerdasein zu garantieren. 1947 erfolge schließlich die Entnazifizierung. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Atelier.

1956 wurden etwa 900 (landschaftliche und völkerkundliche) Werke von Professor Lehmann des Länderkunde-Museums Leipzig für damalige 56.000 DM erworben, wovon heute noch etwa 800 im Leibniz-Institut für Länderkunde archiviert sind.

 Reise in die deutsche Kolonie 1909/1910

Die Übersicht links zeigt die beschriebenen Orte. Dunkelbraune Abschnitte bedeuten eine Zugfahrt, hellbraune stellen Fußmarsch dar

Seine erste Reise nach Afrika und damit in die damals deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika machte Ernst Vollbehr im November 1909 zusammen mit seinem Bekannten Dr. Hermann Thomsen. Nach einer dreiwöchigen Schiffahrt von Marseille nach Tanga auf dem Reichspostdampfer „Bürgermeister“ verbrachte er zunächst einige Tage in Tanga, bevor es auf die Plantage Mkuse des neuen Bekannten Bertram von Lekow geht. Mit der Usumbarabahn fuhren sie bis zur Station Bambuera, wo ein zweistündiger Fußmarsch zum Herrenhaus der Plantage im Bondeiland führte. Ein beliebter Handelsweg führte durch die Plantage, auf dem Vollbehr viele Einheimische traf und porträtierte. Mithilfe seines „Boys“ konnte er auch erhebliche ethnologische Artefakte erhandeln. Hier lernen die Reisenden unter anderem das Leben auf einer Kautschukplantage und die Löhnung sowie die Ngoma-Feste der Arbeiter kennen und besuchten Eingeborenenmärkte.

Lekow stellte eine Kolonne mit mehr als 30 Leuten bereit und die Reise ging weiter zur Friedrich-Hoffmann-Plantage, die sich 30km westlich befand. Vollbehr und seine Kameraden erfuhren viel über Kautschuk-, Sisal- und Baumwoll-Anbau. Seine Bilder skizzierte und malte er zunehmend in den Morgen- und Abendstunden. Von der Hoffmann-Plantage werden Ausflüge zu den Pangani-Fällen und den Kurt-Hoffmann-Fällen gemacht.

Die nächste Etappe führt nach dreistündigem Marsch zur Bahnstation Mnyussi, wo in den Zug umgestiegen wird. Ziel war ursprünglich Mombo, doch auf der Zugfahrt begegnete man zwei weiteren Deutschen: Herr und Frau von Horn, die die bei Maurui gelegene Mabungu Plantage besaßen. Der Zwischenstopp dauerte allerdings nur zwei Nächte an.

Um die Farbtöne der Natur zu erfassen, reicht eine armselige Farbpalette nicht aus.

Zwei Stunden Zugfahrt später kamen die drei Deutschen mit ihrer Karawane in Mombo an, die zusammen das Usambaragebirge bestiegen, wo sich Wilhelmsthal (heute Loshoto) befand. Ein Ausflug auf die Irente-Platte bot einen Ausblick für viele Motive. In Wilhelmsthal trennten sich kurzweilig die Wege von Thomsen und den beiden anderen.

Die Reise ging weiter nach Magamba, das Siedlungsgebiet der Wambugu, dessen Häuptling einen bleibenden Eindruck auf den Maler hinterließ. Viele Porträts und Skizzen der Hütten entstanden hier. Später stieß auch Thomsen wieder hinzu. Zusammen ging es weiter nach Neu-Hornow, wo ein Sägewerk der Hamburger Firma Wilkins & Wiese positioniert war. Von dort aus kam man um Ausflüge auf die Herrmann-Platte nicht umhin.

Die Rückreise Richtung Osten ging abermals zu Fuß über Magamba und Wilhelmsthal zur Station Mombo. Mit dem Zug kamen die Reisenden in Mnyussi an. Auf der nahegelegenen Plantage verbrachten sie die Weihnachtstage bevor Vollbehr und Thomsen weiter nach Amani aufmachten. Dort war ein kaiserliches Institut gelegen, an dem verschiedene Anbaumethoden von Kulturpflanzen von Prof. Zimmermann und seinen Mitarbeitern getestet werden.

Der Abstieg von Amani führte ins Sigital und weitere drei Stunden zur Station Tengeni, wo abermals die Usambarabahn nach Tanga genommen wird. Dort verbrachten die beiden Silvester, bevor es mit dem Schiff weiter nach Sansibar und Dar es Salam ging.